
Was macht die Jury:
Eine Jury entscheidet über die Verwendung eines Budgets.
Form der Jury:
Die Jury folgt der klassischen parlamentarischen oder repräsentativen Form
(Gremium mit gewählten Vertreter*innen). Z.B. Die Klassensprecher*innen oder deren Vertreter*innen sind Mitglieder der Jury. Dieses Vertreter*innen Modell hat den Vorteil, dass Ergebnisse der Jury flächendeckend kommuniziert werden können. Die Teilnahme an der Jury ist freiwillig. Wir hatten auch schon Klassensprecher*innen, die kein Interesse hatten. Die Jury kann sich auch je nach Situation vor Ort anders zusammensetzen: Z.B.
a) wer bei den Jurysitzungen anwesend ist, ist die Jury (offene Versammlungsform),
b) Wahl von Jurymitgliedern aus allen Interessierten der Institution.Die Jury ist dem System Schule bekannt:
Die (gewählten) Jurymitglieder kommunizieren das Modell, die Idee und die Abstimmungsergebnisse der Jury in den Klassen. Die Lehrer*innen lernen dabei die Jury kennen.
Die Jury ist legitimiert:
Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Schulleitung mit im Boot zu haben. Sie muss davon überzeugt sein, da die Jury ggf. Entscheidungen produziert, die Lehrer*innen, Erzieher*innen oder Eltern nicht gutheißen. Da Beteiligung eine verbindliche Umsetzung der Ergebnisse erfordert, kann die Leitung dann auch unpopuläre Entscheidungen durchsetzen. Nicht immer macht es Sinn, die Jury vor Beginn von der Schulkonferenz beschließen zu lassen. (Abwägungssache!)
Die Jury wird professionell begleitet:
Ein*e Mitarbeitende*r der Organisation (Erzieher*in/ Lehrer*in) oder ein multiprofessionelles Tandem begleiten die Jury.
Vorgehen - Wie läuft eine (Jury-) Sitzung ab? Alles eine Haltungsfrage
Ich kann empfehlen, die Strukturierung und das Vorgehen in den Jurytreffen immer wieder einmal zum Gegenstand der Sitzungen zu machen. Dabei können die erwachsenen Begleiter*nnen Strukturvogaben (Eingabe Ämter, Vorschlag für Antrag…) machen und die Jury damit Erfahrungen machen lassen. Die gemachten Erfahrungen im Kontext eines gemeinsamen Demokratieverständnissen können dann reflektiert werden. Auch kann die Jury Verfahrensvorschläge (Ablauf der Sitzung, Höhe der Antragssumme usw.) entwickeln, ohne sich in überfordernden Strukturdiskussionen zu verlieren. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass Kinder und Jugendliche eigene Ideen eingeben, eigene Erfahrungen machen. Wir sollten darauf achtgeben, dass Kinder und Jugendliche nicht nur am Modell lernen und unsere gemachten Sitzungserfahrungen „kopieren“. Unsere Demokratie hat Platz für neue Ideen, damit wir nicht auf Dauer in der „German-Sitz-Kultur“ verharren.
Wie oft findet die Jury statt:
Monatliche (1 Schulstunde) Sitzungen an unterschiedlichen Wochentagen!
Wie läuft die Sitzung ab?
Bei meiner ersten Jurysitzung machten mein Kollege und ich keine Vorgaben. Wir hatten einen Antrag mitgebracht und saßen mit den Jurymitgliedern am Tisch. Mein Kollege Ullrich fragte: „Wie gehen wir den jetzt vor?“. Stille im Raum. Nach einiger Zeit sagte ein Schüler: „Ich weiß, wir brauchen eine Moderation. Das kann ich.“ Der Schüler las den Antrag vor. Ohne Pause schloss er mit den Sätzen an: „Wer ist dafür?“…Zählen der Stimmen…“wer ist dagegen“…Zählen der Stimmen…“der Antrag ist abgelehnt“. Das Ganze dauerte höchstens eineinhalb Minuten. Danach lag eine Stille im Raum. Ich dachte, oh das widerspricht ja völlig meinen Vorstellungen. Was machen wir denn jetzt? So geht das nicht! Ich hielt meine Gedanken aus. Noch bevor ich das zu Ende gedacht hatte, sagte ein Schüler: „Ich habe gar nicht verstanden, was ich abgestimmt habe“. Danach startete ein gemeinsames Gespräch darüber, wie wichtig es ist zu verstehen, was abstimmt wird. Eine fantastische Erfahrung. Wir können Kindern und Jugendlichen vertrauen. Die Themen der Partizipation, die anstehen, werden zum rechten Zeitpunkt diskutiert. Wir Erwachsene brauchen Geduld. Wir können zum rechten Zeitpunkt Fragen und Herausforderungen thematisieren, die bedeutend für ein Demokratieverständnis sind.
Diese Erfahrung eröffnet viele Möglichkeiten! Wollen wir eine klassische Sitzungsstruktur mit Sitzungsleitung, Protokollant*in oder entwickeln wir eine eigene Sitzungskultur! Wie tagen wir? Am Tisch? In der Runde? Wie machen wir es uns angenehm? Brauchen wir eigentlich ein Protokoll? Wofür? Wie muss ein Protokoll aussehen? Wie viele Ämter tun der Jury gut? Zeitnehmer*innen, Redeliste führen usw. Wechseln die Ämter in jeder Sitzung? Muss jede*r alles mal machen? Wofür ist das gut?
Wer kann Anträge stellen?
Jede*r Schüler*in kann Anträge für die Verwendung des Budgets stellen. GGF. macht es Sinn die Vorgabe zu machen, dass mindestens fünf Schüler*innen gemeinsam einen Antrag stellen. Auch diese Optionen können mit der Jury besprochen und entschieden werden (Welche Vor- und Nachteile hat das Vorgehen? Welche Vorteile haben Einzelanträge usw.? Kann die Jury selbst Anträge stellen?
Was kann beantragt werden?
Alles ? (Streichen/Gestaltung des Klassenraums, Döner-Essen mit der ganzen Klasse, Kochen mit Eltern, Erzieher*innen und Schüler*innen….) Oder soll es Vorgaben geben? Es ist interessant Erfahrungen damit zu machen. Wir lernen alle viel dabei. Was ist aus Sicht von Schüler*innen „antragswürdig“? Wir hatten Jurys, die in den ersten Sitzungen alles abgelehnt haben! „Zu teuer“ oder „dafür haben wir kein Geld“. Das bietet vielfältige Themen: Z.B: Verantwortung für das Budget! Was ist unser Auftrag? Welche Rolle hat die Jury? (Wir sind keine Sparkasse! Das Budget soll verantwortungsvoll eingesetzt werden). Was ist wichtig? Was ist anderen wichtig?
Wie viel Budget kann beantragt werden?
Je nach Gesamthöhe des Budgets können Obergrenzen pro Antrag festgesetzt werden. Auch diese Option kann mit den Jurymitgliedern besprochen werden (Welche Vor- und Nachteile haben Antragsgrenzen?).
Form des Antrags:
Einfache Antragstellung. Wir haben gute Erfahrungen mit einer schriftlichen Form gemacht (A4 Formular: Inhalt: Antragsteller*innen, Datum, Was? Wo? Wer? Warum? Wie viel? Pate?). Die Anträge können von der Jury selbst entwickelt werden. Was wir auch empfehlen ist, mit jedem Antrag die Angabe eine erwachsenen Paten als Antragsvoraussetzung zu verlangen.
Wie wird über die Anträge abgestimmt?
Ein unerschöpfliches Lernfeld! Ist das Mehrheitsprinzip auf alle Anträge anzuwenden? Wie gerecht / demokratisch sind Mehrheitsentscheidungen? Was geschieht, wenn ich mich enthalte? Was bedeutet es, wenn wir den Antrag ablehnen? Dies sollte gegenüber den Antragsteller*innen begründet werden! Wer macht das? Wie gehe ich mit Antragsteller*innen um, die ich nicht leiden kann. Wie ist es mit Bevorzugung von Freund*innen, die Anträge stellen?
Die Umsetzung der Anträge erfolgt mit den Paten/Unterstützerinnen (Lehrer*innen, Erzieher*innen, Eltern…) Das Patenmodell garantiert die „fachgerechte Abrechnung“ der Gelder. Auch haben die Paten die Aufgabe, die Kinder und Jugendlichen bei der Umsetzung zu unterstützen.
Was wir mit der Jury erreichen können
-im eigenen Lebensumfeld und an den Interesse der Kinder und Jugendlichen ansetzen,
-eine relevante Veränderung im System ermöglichen,
-eine nachhaltige/kontinuierliche Mitbestimmung ermöglichen,
die Schulkultur der Schule mit gestalten
-Kontroversen sehen und Entscheidungen aushandeln
-Anliegen artikulieren
Das Verfahren Schüler*innenjury - Einfach gut!
Gruppengröße
Zielgruppen
Vorhaben
Orte
Dauer
Methodentyp
Es steht ein Budget zur Verfügung: (Ich kennen Jurys die Budgets von 150 € bis 4.000€ hatten)
Das braucht ihr:
Es gibt interessierte Jurymitglieder.
Eine Organisation - ein System in der/dem die Jury wirken kann. Die (Schüler_innen)_Jury kann auch in Jugendfreizeiteinrichtungen durchgeführt werden.
Text
Berit Nissen