
Die folgenden selbstreflexiven Fragen dienen der Erkundung, in welchen Projektbereichen (umfassende) qualitative Beteiligungsstrukturen existieren und eine nachhaltige Beteiligungskultur gelebt wird. Es treffen nicht alle Fragen auf jedes Projekt zu und selten werden die Fragen eindeutig beantwortet werden können. Vielmehr könnte auf Grundlage der Fragen eine Diskussion unter Fachkräften – und jungen Menschen – angeregt werden, die zum Ziel hat, Beteiligungsmöglichkeiten künftig zu erweitern und als Querschnittsaufgabe zu betrachten.
Michael Bandt und Philip Meade im Auftrag des Initiativkreises, Juni 2017. Kontakt: kinderrechte@kompaxx.de
Zielgruppe und Ziele
1. Was ist das Ziel des Projekts?
(Woran werden Kinder/Jugendliche beteiligt? Werden sie z.B. bei der Neugestaltung eines Spielplatzes einbezogen oder darüber hinaus an der Kinder- und Jugendpolitik im Bezirk? Stammt die Idee zum Projekt gar ursprünglich von Kindern/Jugendlichen?)
2. Wer nimmt am Projekt teil?
(Wo und wie wird welche Zielgruppe angesprochen? Gibt es z.B. barrierefreien Zugang zu den Treffpunkten? Werden bestimmte kognitive oder rhetorische Kompetenzen vorausgesetzt?)
3. Welche Motivation hat die Zielgruppe, um am Projekt teilzunehmen?
(Knüpft das Ziel direkt an den Interessen der Kinder/Jugendlichen an oder spielen sekundäre Motivationen wie z.B. eine Aufwandsentschädigung eine Rolle? Ist die Teilnahme wirklich freiwillig? Ist der Inhalt im Leben der Kinder/Jugendlichen relevant?)
Durchführung
4. In welchen Phasen werden Kinder/Jugendliche am Projekt beteiligt? (Werden sie z.B. an der Planung, Durchführung und Evaluation beteiligt? Sind Kinder/Jugendliche gar selber aktiv geworden und haben das Projekt initiiert? Werden sie auch auf verschiedenen Organisationsebenen beteiligt?)
5. Welche Beteiligungsmethoden werden im Projekt eingesetzt?
(Werden z.B. nicht nur schriftliche Fragebögen, sondern auch aktivierende Methoden, wie Zukunftswerkstätten, Kiezdetektive, digitale Medien usw. eingesetzt? Werden die Methoden auf die spezifische Zielgruppe abgestimmt?)
6. Wirken Kinder/Jugendliche bei der Erstellung von Regeln mit und haben sie Möglichkeiten, den
Projektverlauf mitzugestalten?
(Gelingt es z.B. eine konstruktive Verhandlungs- und Konfliktkultur zu implementieren, Grenzen würdevoll, also ohne Machtdemonstration oder Strafandrohung zu ziehen? Können Kinder/Jugendliche ihre Treffen z.B. auf Wunsch zu einer anderen Uhrzeit beginnen?)
7. Wie wird die Beteiligung der Kinder/Jugendlichen wertgeschätzt?
(Gibt es z.B. wertschätzende Anerkennung und Ermutigung, Urkunden/Zertifikate, Aufwandsentschädigungen, Abschlussfeier, kostenlose Verpflegung...?)
8. Gibt es effektive Beschwerdeverfahren für Kinder/Jugendliche?
(Werden sie auch tatsächlich in Anspruch genommen? Welche Konsequenzen gibt es? Gibt es z.B. unabhängige Vertrauens- und Ombudspersonen für die Kinder/Jugendlichen?)
9. Führt (anonymes) Feedback und Evaluation zu einer Veränderung/Verbesserung des Projekts?
(Begreife ich mich als Dienstleister*in für Kinder/Jugendliche? Gehen wir z.B. auf Änderungswünsche, auch bei den Projektrahmenbedingungen, ein?)
Beteiligungsgrad
10. Fühlen sich Kinder/Jugendliche durch das Projekt gestärkt?
(Gibt es Freiräume und Ressourcen, um sich selber zu erfahren, den eigenen Blickwinkel zu erweitern und sich ggf. weiterzuentwickeln [Empowerment]? Werden sie über ihre Rechte aufgeklärt [vielleicht durch Peer-Beratung der Kinder/Jugendlichen selber]?)
11. Wie werden die Interessen der Kinder/Jugendlichen in der Öffentlichkeit bzw. mit
Entscheidungsträger*innen und Stakeholdern kommuniziert? (Gibt es einen regelmäßigen Austausch mit Entscheidungsträger*innen und Stakeholdern? Werden [Zwischen-]Ergebnisse präsentiert? Wird eine kinder-/jugendgerechte Sprache verwendet? Wer redet für wen?)
12. Wie wird die Wirkung sichergestellt und transparent gemacht?
(Gibt es z.B. verbindliche Vereinbarungen/Beschlüsse zur Berücksichtigung der Beteiligungsergebnisse? Werden Ergebnisse auch nach Projektabschluss an die Kinder/Jugendlichen rückgemeldet?)
Rahmenbedingungen und Haltung
13. Welche Erfahrungen zur Durchführung von Jugendbeteiligungsprojekten sind vorhanden?
(Gibt es z.B. ausgebildete Prozessmoderator*innen für Kinder- und Jugendbeteiligung? Gibt es Kinderrechte- oder Beteiligungs-Beauftragte*n? Werden Mitarbeiter*innen regelmäßig fortgebildet? Was wurde aus vergangenen Projekten gelernt?)
14. Welche Ressourcen stehen für die Projektdurchführung und nachhaltige Umsetzung bereit?
(Gibt es genügend personelle und zeitliche Ressourcen, um qualitative Beteiligungsprozesse einzuleiten und durchzuführen? Wie ist die nachhaltige Umsetzung abgesichert?)
15. Welche Haltung zu Kinder- und Jugendbeteiligung haben die ausführenden Projektkräfte und der Projektträger? (Z.B. Begegnung möglichst auf Augenhöhe, Vertrauen in Kompetenzen der Kinder/Jugendlichen, Bereitschaft zur Abgabe von Macht und Verantwortung, Verhandlungsbereitschaft und Kritikfähigkeit, demokratische Alltagskultur, Beteiligung im Leitbild, in Konzeptionen und der trägerinternen Qualitätssicherung/-entwicklung...? Gibt es gar Kinder-/Jugenddelegierte in Steuerungs- oder Leitungsrunden?)
Zielgruppen
Vorhaben
Dauer
Methodentyp
Bild
Olya Kobruseva (Pexels)
Text
Michael Bandt und Philip Meade; kompaxx e.V.