
Mit Hilfe selbst gezeichneter und gemalter Karten werden die subjektiv bedeutenden Lebensräume von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil oder in der Region sichtbar gemacht. Jugendliche können mit dieser Methode motiviert werden, ihren subjektiven Lebensraum zu zeichnen oder zu malen, um damit bedeutsame Orte und Räume zu markieren und individuelle Bedeutungen und Wahrnehmungen des Wohnumfeldes wie z. B. Spiel- und Aufenthaltsorte, Angsträume etc. deutlich zu machen. Hierbei werden die Lebensräume einzelner Kinder und Jugendlicher - auch über den Stadtteil/Sozialraum hinaus - sichtbar, ebenso können Netzwerke deutlich werden.
Die besondere Leistung dieser Methode besteht darin, dass mit ihrer Hilfe die unmittelbare Lebenswelt von Menschen aus ihrer subjektiven Sicht dargestellt werden kann. Die Umwelt der befragten Personen kann vielschichtig erfasst werden, z. B. aus einer räumlichen oder sozialen Perspektive heraus. Entwickelt wurde diese Forschungsform in einem Projekt zur sozialwissenschaftlichen/pädagogischen Kindheitsforschung, Urheber sind I. Behnken und J. Zinnecker (1997). Die vereinfachte Form der auch Mentalmaps bzw. Spielweltpläne genannten, subjektiven Landkarten wurde von Hiltrud von Spiegel für die Erforschung kindlicher Lebenswelten entwickelt (von Spiegel 1997).
Erster Schritt: Stegreifzeichnung
Zunächst markieren die Teilnehmer*innen in einer Stegreifzeichnung wichtige Orte in ihrem Lebensumfeld, in der Regel ausgehend von einem Fixpunkt, wie beispielsweise der Wohnung oder einer Schule. Solche Zeichnungen haben gerade nicht den Anspruch einer maßgeblichen Wiedergabe der geographischen Bedingungen eines Sozialraums, sondern stellen subjektives Erleben dar, so dass Distanzen, Größen von Häusern etc. zum Teil insbesondere bei kindlichen Zeichnungen sehr unterschiedlich proportioniert sein können.
In einem zweiten Schritt geht es um die Weiterentwicklung des Bildes bzw. der Skizze durch Nachfragen und durch das Eintragen von Details, z. B. durch verschiedene Farben etc. Es entsteht eine Kommunikation zwischen den Fachkräften und den Jugendlichen zu deren Zeichnungen und weiteren Details.
In einem dritten Schritt werden durch die aktivierten Personen Bewertungen vorgenommen und ein gemeinsames Resümee gezogen und ggf. Anliegen formuliert. Bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigen die Bilder oft unterschiedliche Räume und Orte, die wie im Inselmodell vielfach keinen direkten geographischen Zusammenhang haben. Damit besteht die besondere Chance der subjektiven Landkarten darin, auch andere Lebensräume, z. B. virtuelle Räume (Chatroom u.ä.) oder außerhalb des direkten Wohnumfeldes liegende Lebensräume (etwa die jäh-lich besuchte zweite marokkanische Heimat eines Jugendlichen) aufzugreifen.
Die Teilnehmer*innen teilen eher persönliche und individuelle Informationen und damit auch Problemlagen mit, die nicht direkt mit dem Prozess einer Sozialraumanalyse zu verbinden sind, aber trotzdem angemessen thematisiert werden müssen. Die subjektiven Landkarten sind eine interessante Methode, die nach der Einstiegsphase einer Sozialraumanalyse angewandt werden kann, um spezifischen Fragestellungen nachzugehen oder die Lebenswelten bestimmter Gruppen zu erkunden.
Gruppengröße
Zielgruppen
Vorhaben
Orte
Dauer
Methodentyp
Stifte, Papier
Ein ruhiger Raum für die Auswertung wäre sinnvoll.
Bild
Joachim Schnürle (pixabay)
Text
Berit Nissen